Recherchetagebuch - Hintergründe der Stopfleberindustie aufgedeckt

Jul
21

Erster Besuch: Die Firma "Collverd"

“Am 21.07.2011 begannen wir unsere Recherche über Entenmastanlagen zur Herstellung von Stopfleber in Spanien. Nach einigen Wochen Vorbereitung entschieden wir, als erstes das größte katalanische Unternehmen zu besuchen. Dessen Vorsitzender, Jordi Terol, ist gleichzeitig Vorsitzender der Vereinigung INTERPALM, die Produkte und Hersteller_innen von Leberpastete auf nationaler Ebene vereint, sowie Mitglied der europaeischen Vereinigung "EURO FOIE GRAS".

Da sich dieses Unternehmen nach außen hin sehr abgeriegelt, entschieden wir, als erstes ihren höchsten Repräsentanten zu kontaktieren. Wir glaubten, dass es leichter würde, uns in dem Bereich vorzustellen und die Wirklichkeit zu dokumentieren, wenn wir erst einmal sein Vertrauen gewonnnen hätten.

Erste Begegnung mit Jordi Terol, Vorsitzender der Stopfleber-Industrie in Spanien

Als wir ankamen, empfing er uns in seinem Büro. Er stellte sich vor und teilte uns mit, dass er sehr verärgert sei. Um seinen Ärger zu erklären, reichte er mir sein Handy und forderte mich auf, laut eine Nachricht zu lesen. Darin hieß es, dass die Organisator_innen einer der weltweit wichtigsten Messen für Essen und Trinken in Deutschland, der Anuga 2011, die Teilnahme von Hersteller_innen von Stopfleber verboten hatten. Der Grund: die Messe solle nicht mit der Misshandlung von Tieren in Verbindung gebracht werden.

Er war lange Zeit aufgebracht und kritisierte pausenlos Aktivisten und Menschen, denen Tiere wichtig sind und machte sie lächerlich.

Dann erklärte er sich dazu bereit, uns seine Mast- und Aufzuchtanlagen zu zeigen, die sich in der Nähe seines Büros befindet: Can Ruet. Dort sahen wir die Jungenten, zwei Tage alt, die von französischen Brütereien geliefert werden. In den Aufzuchtanlagen werden die Enten bis zu einem Alter von 21 Tagen gehalten, wenn ihr Federkleid zu wachsen beginnt. Danach werden sie in eine größere Anlage gebracht, wo sie 86-88 Lebenstage verbringen, ihren sogenannten "Wachstumsprozess".

Terol zeigte uns beide Phasen und brachte uns auch zu einer Masthalle, die zu diesem Zeitpunkt aber leer stand. Er sagte uns, dass diese Halle erst ab September wieder genutzt wird, da die hohen Temperaturen viel Ausfall mit sich brächten und das Stopfen daher im Sommer nicht rentabel sei. Er zeigte uns die Einrichtungen, in denen bis zu 1659 Enten in Einzelkäfigen zur Zwangsernährung in Gefangeschaft leben.

Jul
26

Auf der Suche nach weiteren Fakten

“Am 26. Juli 2011 erfolgte der zweite Besuch während unserer Recherche. Wir besuchten in Solés Pagés, ein kleines Unternehmen in Colomers, Girona. Einige Mitglieder der Stopfleberindustrie nennen diese Art von Produktionsstätten "Piratenfarmen", da dort vieles nicht ordnungsgemäß abläuft. Solés Pagés ist seit 29 Jahren in der Stopfleber-Entenzucht tätig und bringt jede Woche 150 Tiere um.

Bei der Ankunft wurden wir von den Besitzern Narcís und Montse empfangen. Wir erfuhren, dass an diesem Tag getötet werden sollte.

Ungewöhnliche Anlagen

Der Betrieb bestand aus einem alten, großen Haus, umgeben von etwas Land. An das Haus angebaut war ein Backsteingebäude, in dem die Tiere gehalten wurden.

Die Farm lag der Ortsmitte sehr nahe an einer Straße. Es war sofort klar, dass sie nicht die geltende Regelung bezüglich des Minimalabstandes zwischen Ortskern und landwirtschaftlichem Betrieb einhielt.

Das Gebäude, in denen die Enten gehalten wurden, waren verschmutzt und verwahrlost. Narcís erklärte uns gegenüber, dass er den Hof nicht desinfiziert, obwohl er nach dem Gesetz dazu verpflichtet wäre. Es gab drei deutlich voneinander unterscheidbare Bereiche: in zwei hielten sie die Enten während des Stopfens, was dort jeweils 15 bis 17 Tage lang durchgeführt wurde. In der anderen wurden die Enten getötet. In der Nähe des Wohnbereiches gab es einen Bereich für die Verarbeitung.

Die Tötung der Enten

Narcís empfing uns und begann direkt mit seiner Arbeit: An diesem Tag also das Töten der Enten.

Er packte die Tiere in eine Art Käfig-Schubkarre, mit Kaninchenzaun gebaut. Damit fuhr er die Enten in den Raum, in dem schon die Tötungsinstrumente bereitlagen.

Er fing nun an circa 75 Enten zu töten. Eine nach der anderen. Währenddessen rauchte er eine Zigarre.

Wir stellten uns an die Seite des Karrens mit den Enten und spürten, wie sie Angst hatten und pausenlos keuchten. ihre Nervosität, wie sie pausenlos schnauften.

Auch die Enten mussten die Tötung ihrer Artgenoss_innen aus nächster Nähe miterleben. Ich sah, dass einige Tiere bei vollem Bewusstsein blieben, während sie aufgeschlitzt wurden, wie sie den Schnabel öffneten und sich bewegten, während sie über dem blutigen Spülbecken hingen.

Mehrere Leute teilten sich die Aufgaben: die Tiere abbrühen, die Federn rupfen, die Kehle aufschlitzen und ausnehmen und zum Schluss die Bearbeitung der Stopfleber.

Als Narcís alle Enten ermordet hatte, hing er sie an eine metallene Vorrichtung auf Rädern, ähnlich einem Garderobenständer, und fuhr sie ins Freie, wo er sie im Garten stehenließ. Dort setzten sich sofort unzählige Fliegen auf die Entenleichen. Manche schlüpften gar direkt in das Loch in der Kehle, das durch das Aufschlitzen entstanden war.

Der Verarbeitungsprozess

Nach einigen Minuten spritzte Narcís die Leichen mit einem Schlauch ab und fuhr sie in den Kühlbereich, um mit der Verarbeitung zu beginnen.

Wir konnten beobachten, wie die Angestellten den toten Enten die Leber entnahmen, sie wogen, klassifizierten und nach Größe, Gewebe und Form auswählten.

Die Einzelkäfige

Das Stopfen wird auf allen Stopfleberfarmen immer zweimal pro Tag, circa alle zwölf Stunden, durchgeführt. Uns wurde erlaubt, während der Zwangsernährung anwesend zu sein und zu sie dokumentieren, was bedeutete, dass wir erstmals während unserer Recherche Bilder vom Stopfen machen konnten.

Es war ein regnerischer Nachmittag. Wir lernten den Angestellten kennen, der sich ausschließlich um den Stopfvorgang kümmert. Dass es an dem Tag regnete, hatte den Vorteil, dass Narcís nicht zu uns stieß, so dass wir mit dem Angestellten alleine waren, was das Filmen sehr vereinfachte.

Wir waren schockiert, als wir erstmals die Einzelkäfige sahen. Die Enten konnten sich kaum bewegen, sich nicht einmal umdrehen. Wenn die Tiere versuchten, ihre Flügel zu spreizen, blieben sie manchmal in den Käfiggittern hängen. Dasselbe geschah mit ihrem Schnabel, wenn sie ihn zwischen die Gitter steckten.

Narcís hatte uns zuvor erklärt, dass die Enten in diesen Situationen sehr nervös wurden und sich sogar Brüche zuziehen konnten, wenn die Angestellten nicht aufmerksam genug waren und ihnen zur Hilfe kamen. Diese Brüche wurden natürlich nicht behandelt.

In den Käfigen besteht das Leben der Enten einzig und allein daraus, täglich zweimal zwangsernährt zu werden, bis sie das gewünschte Schlachtgewicht erreichen.

Der Stopfvorgang

Der Angestellte brachte eine Schubkarre mit gekochten Maiskörnern zur Halle. Er schöpfte den Mais mit einer Kelle in einen Trichter, der in die Tiere eingeführt wurde.

Wir sahen, wie sich der Trichter mit dem Mais im gleichen Maße leerte, wie sich der Kropf des Tieres ausdehnte. Man konnte die Form des Schlauches genau in der Speiseröhre ausmachen, während den Tieren schier die Augen herausquollen. Manche verdrehten den Kopf, als der Angestellte sich ihnen mit dem Schlauch näherte, und versuchten ihm auszuweichen. Manche Tiere krampften während der Zwangsernährung. Viele blieben schlaff und niedergeschlagen in ihrem Käfig, nachdem der Schlauch herausgezogen wurde.

Wir waren dort, als sich der Stopfvorgang dieser Enten dem Ende näherte (ungefähr am 15. Tag des Stopfens). Die Tiere hatten also bereits eine stark verfettete Leber.

Wir stellten bei allen Tieren, die wir an diesem Tag sahen, Atemprobleme fest. Sie öffneten und schlossen permanent die Schnäbel, hörbar schnaufend und es war offensichtlich, dass ihnen das Atmen Schwierigkeiten bereitete.

Wir hatten mit dem Besuch dieser Farm bereits genügend Material zusammen, um den gesamten Prozess der Stopfleber-Produktion dokumentieren zu können, aber die Recherche sollte damit erst begonnen haben.”

Aug
01

Besuch der Farm “INDUANEC”

“Wir sind bei der Farm Induanec, in Bescano (Girona, Spanien) gegen 06:30 angekommen. Dort sind wir von dem Besitzer Albert Molas empfangen worden, der uns gesagt hatte, dass das Geschäft seit 20 Jahren in Betrieb sei. In dieser Farm werden etwa 220 Enten wöchentlich getötet die an den Handel, Privatpersonen und Restaurants (wie “Les Cols” von Olot) verkauft werden. Wir hatten den Besuch für den Tag gewählt, um das Schlachten der Enten auf Video aufnehmen zu können.

Schlachten der Enten

Der Ablauf des Schlachtens war sehr maschinell ausgerichtet: Lebendige Tiere werden in die Maschine gesteckt und kommen als leblose Objekte wieder heraus. Eines nach dem anderen, eines nach dem anderen…

Wir sahen wie Enten einige Sekunden - teilweise eine Minute lang - verzweifelt strampelten, nachdem sie geköpft worden waren.

Abgesehen von dem sehr brutalen Vorgehen, das zu sehen war, konnte man den Überlebenskampf der Enten hören. Das Geräusch ihrer gegen das Metall tretenden Füße war grauenhaft. Ihr Zappelns verringerte sich nach und nach und schließlich wandelte sich der fürchterliche Lärm zu einem immer leiser werdenden Rauschen, während sie langsam starben.

Was ich dort sah, werde ich nicht mehr vergessen: Nachdem sie aufgeschlitzt wurden, fielen Maiskörner aus ihren Mägen. Sie waren buchstäblich bis oben hin mit Futter vollgestopft, welches sie zu Fressen gezwungen wurden. Die Maiskörner, vermischt mit dem Blut der Enten, spritzten auf Boden und Wände.

In Induanec werden keine Enten aufgezogen, sondern nur gemästet. Albert, der Manager erzählte uns, dass sie aus dem Nachbardorf Sant Gregori kämen, von der Firma „Inveraliment“, die sich ausschließlich mit dem Ausbrüten und der Aufzucht von Enten beschäftigt.

Toni Vega brachte uns zu den Küken in der Brutstation. 21 Tage lang leben sie hier unter Wärmelampen, danach dürfen sie nach draußen. Als wir eintraten flüchteten die Tiere vor uns und drängten sich eng am hintersten Ende der Umzäunung zusammen. Die Tiere waren sehr klein und bewegten sich nur langsam, dicht aneinander gedrängt. Wir fragten, was mit den weiblichen Enten passiert, denn zur Stopfleberproduktion werden nur männliche Tiere benutzt. Toni bestätigte, dass die weiblichen Tiere während der Geschlechtsbestimmung in Frankreich getötet werden. In der Regel werden sie lebend zerhackt, weil sie sich für die Produktion von Stopfleber nicht eignen.

Später besuchten wir die Enten in der Aufzuchtstation. Enten sind sehr soziale Tiere und bleiben immer nahe beieinander in Gruppen. Es war ein schöner Ort, mit viel grünem Gras und großen Bäumen die Schatten spenden. Die Enten hatten freien Zugang zu Futter und Wasser.

Toni erklärte uns den Vorgang der „Rationierung“, der am Ende der Wachstumsphase stattfindet, wenn die Enten für den Stopfvorgang vorbereitet werden. Die Enten dürfen nicht mehr essen, wann sie möchten und müssen einen Tag in der Woche hungern. Wenn sie wieder essen dürfen, schlucken sie sehr schnell und mit großer Gier. Auf diese Weise gewöhnen sich die Enten daran, große Mengen Futter auf einmal zu sich zu nehmen.

An dem Tag der Schlachtung werden die Einzelkäfige erneut mit Enten besetzt, die wiederum 14 Tage lang gemästet werden sollen.

Nach der Ankunft der Enten werden sie in einzelnen Käfigen gehalten.

An dem Tag der Schlachtung werden die Einzelkäfige erneut mit Enten besetzt, die wiederum 14 Tage lang gemästet werden sollen. Wir sahen, wie Enten in winzige Gitterkäfige gesteckt wurden und konnten ihr extrem nervöses Verhalten beobachten. Ich versuchte mir vorzustellen, wie schrecklich es wäre, ein Leben lang eingesperrt zu sein, ohne sich tagelang nicht einmal umdrehen zu können. Die Enten werden innerhalb von 15 Tagen von 4,5 kg auf 7 kg gemästet.

Die Enten, die neu zum Mästen gekommen waren, zappelten die ganze Zeit in den Käfigen herum, sich in einem verzweifelten Kampf befindend, ihrem Schicksal zu entkommen. Ganz anders als die Enten, die schon seit einigen Tagen gemästet worden waren. Diese waren völlig unterwürfig, bewegungslos… als ob sie schon aufgegeben hätten.

Die Mitarbeiter setzten die Enten sehr rücksichtslos in die Käfige. Tiere, die versuchten zu entfliehen, wurden von den Mitarbeitern hemmungslos mit den Käfigklappen auf ihre Hälse geschlagen, damit sie nicht entkommen konnten.

Beim Schließen der Käfige kam es häufig dazu, dass die Arbeiter die Flügel der Enten einquetschten. Was dazu führte, dass die Tiere begannen ihre Flügel zu bewegen, um sich zu befreien. Nach einiger Zeit zeigten manche Enten Signale von Niedergeschlagenheit und Bewegungslosigkeit. Ich dachte in diesem Moment, dass sie nie wieder laufen oder ihre Flügel ausstrecken können und dies vielleicht auch intuitiv spürten.

Vielleicht verstärkte unsere Anwesenheit die Quälerei der Arbeiter gegenüber den Tieren. Die Arbeiter hielten die Enten an den Flügeln in die Luft während sie uns lächelnd anschauten und sagten: „Komm, flieg, flieg“. Die terrorisierten Enten hörten nicht auf zu flattern. Es war äußerst brutal für sie.

Manche von ihnen drehten sich in den Käfigen um, was laut Albert, dem Farmbesitzer, sehr lästig für die Arbeiter ist. Laut ihm sollte man die Enten drehen, da sie so nicht zu der geschlossenen Seite des Käfigs umschauen. Er gab mir gegenüber zu, dass die Arbeiter die Enten manchmal schlugen, um diesen Zustand zu ändern. Seine exakten Worte waren:

„Wenn sie sich daran gewöhnen, umgedreht zu sein… mästet man sie danach; du merkst, dass du sie am Hals hast und wenn du nicht aufpasst hat sie sich schon wieder umgedreht… und das macht mich sehr wütend, weil du die Maschine stehen lassen musst. Wenn es 320 [Enten] gibt und alle drehen sich um, oder wenn es zumindest die Hälfte tut, hast du auch nach der Hälfte schon keine Lust mehr sie festzuhalten und dann nimmst du sie und schlägst zu. Und mal sehen ob sie sich umdrehen! Und das darf man nicht machen, eh…?“

Die Geschichte des Hofes und seiner Vernachlässigung

Der Besitzer erklärte uns auch, dass er zu Beginn der Inbetriebnahme der Anlage zunächst nicht wusste, wie die Tiere gemästet werden und daher viele Enten gestorben sind. Auch weil er sie zu lange gemästet hatte, hat er zu viel Verlust gehabt, da die Tiere mit übermäßig viel Mais gemästet wurden. Aus diesem Grund sind zudem viele Tiere gestorben.

"Und jetzt im Sommer, sterben sie nicht, weil sie zu groß wären, sondern wegen der Hitze.. wegen der Hitze, durch Herzinfarkte," sagte er.

Albert erzählte uns, dass er in den letzten Jahren mehrere Arten von Verletzungen an den Enten gesehen hat, die aufgrund eines vernachlässigten Mästens auftraten. Drei Mal wurde Enten von dem Futtertrichter der Hals durchbohrt.

“Mir ist es passiert. [...] Wir fügen ihnen Verletzungen zu... also Kratzwunden… aber auch schlimmere Sachen... Dann bleibt so eine Art Schorf, je mehr Schmerzen du ihnen zufügst, desto größer die Verletzung. Danach ist es viel schwieriger es hereinzubekommen, sie essen dann nicht mehr so viel (…) Danach muss man ihnen viel Nahrung und Trinken geben, damit die Speiseröhre sich langsam erweitert. Aber wenn du am ersten Tag nicht aufpasst, hat es sie schon erwischt. Dann hast du es beschädigt und, und dann ist mit dem Ding nichts mehr ... dann ist es tot!”

Aber Albert verteidigt, wie alle der Betreiber, vehement seine Arbeit gegenüber aller Kritik. Er erzählt uns, dass manche Auszubildenden über das Mästen schockiert sind und nichts davon sehen wollen. Er betont, dass ihm bekannt ist, dass die Gesellschaft das ablehnt, was er macht. Er wollte deshalb zunächst nicht, dass wir filmen, obwohl wir schließlich mit genügend Filmaterial die Farm verlassen.

Ich erinnere mich, dass er am Ende des Besuchs zu mir gekommen ist und sagte, dass ich die erste Person bin, der er diese Dokumentation erlaubt hat. Normalerweise würde er niemanden filmen lässen und hofft, dass wir nichts davon ins Internet stellen oder anderen Menschen Zugriff auf die Bilder ermöglichen. Seiner Meinung nach, würden „die Leute das nicht verstehen“ und es sei daher besser, es würde nicht gezeigt werden.

Albert teilte mir auch mit, dass die Enten in manchen katalanischen Betrieben Antibiotika bekommen, sodass sie das Mästen durchhalten. So würden ,,Verluste'' während des Prozesses zu vermeiden. Auf diese Weise sind die Tiere stärker, nehmen mehr zu und werden seltener krank oder schwach. Er sagt uns, dass es zwar illegal ist, aber es wird dennoch in manchen Betrieben praktiziert.

"Das ist verboten. Das Gute am Antibiotikum ist, dass die Ente länger aushält. Leidet nicht so viel. Also naja, nicht leiden, das nicht… isst viel mehr ohne… er ist etwas ruhiger. Wenn du krank bist und dann Antibiotika nimmst, dann wirst du etwas ruhiger, dir geht's etwas.. besser. Es gibt Leute, die das noch machen, ich auch. Also so halten sie länger aus, essen mehr und werden viel größer. Aber klar, wenn das dann später untersucht wird… jedes Gesetz hat sein Hintertürchen."

Wir haben fast den ganzen Tag auf dem Hof verbracht. Wir sind früh morgens gegen 06:30 Uhr angekommen. Mittags sind wir Essen gegangen. Danach sind wir in den Betrieb zurückgekommen und dort bis 18:00 Uhr geblieben. Wir versuchten dort die meiste Zeit zu bleiben, um so viele Aufnahmen wie möglich zu machen, mit dem Ziel alles bis zum letzten Detail zu erfassen - von allem, was im Innern der Farm geschieht. Wir mussten zeigen, was in der Entenfarm passierte, damit es nicht in Vergessenheit gerät, damit die Gesellschaft Zugriff auf die Realität hat, dass Tiere ausgebeutet werden und in Zukunft die Möglichkeit zu haben, zu entscheiden, ob wir diese Industrie unterstützen wollen oder nicht. ”

Jul
21

Besuch der Firma Can Manent

“Am 21. September 2011 statteten wir der Firma Can Manent, auch bekannt als E-9, in Santa Eulalia de Ronçana (Barcelona) einen Besuch ab.

Diese Farm ist seit 18 Jahren in Betrieb und “produziert” etwa 12.000 Enten jährlich. Waren es anfangs fünf Gänse, werden mittlerweile 250 pro Woche getötet. Alles im Namen der Stopfleber. Die Produkte werden international vermarktet, etwa in Italien, der Schweiz, den USA und Japan und an berühmte Restaurants geliefert: Sant Pau, Mugaritz (das drittbeste Restaurant der Welt) oder El Celler de Can Rosa (das zweitbeste Restaurant der Welt).

Wir wurden von Emili Cucala, dem Besitzer der Firma, begrüßt. Er wollte uns die Anlage zeigen, sagte uns aber, es gäbe eine interne Richtlinie, dass nur Stopfer_innen den Mittelgang betreten dürfen, um den Enten Stress zu ersparen - das erste Mal überhaupt, dass ein Produzent uns bat, den Stressfaktor für die Enten mit einzubeziehen.

Das Konzept der Ausbeutung

Wir besuchten Emili in Santa Eulalia de Ronçana, wo sich die Stopfleberverarbeitungsfirma und die Büros befinden. Die Anlage selbst befindet sich in Lliça d'Amunt.

Ich fragte ihn unter anderem, was er über das denke, was bei Stopfleberproduzent_innen in aller Munde ist: die "Kriminalisierung" der Stopfleberindustrie. Seine Antwort darauf hätte ich so niemals erwartet, vor allem in Hinblick auf seine offensichtliche Aufrichtigkeit dem Konzept der "Tiermisshandlung" gegenüber. Ein wörtliches Zitat aus unserer Unterhaltung:

"E.C.: Es gibt kein Tier, das bei der Aufzucht als Lebensmittel nicht misshandelt wird. Was man essen muss, ist jedoch ein völlig anderes Thema. Und in diesem Sinne werden alle Tiere misshandelt. (…) Misshandeln heißt nicht immer, dass man das Tier schlägt oder tritt. (…) A.E.: Wie meinen sie das? E.C.: Nun, dem Tier wird nicht erlaubt, die Dinge zu tun, die es in der Natur tut - es wird misshandelt. "

In der Folge erläuterte er detailliert, wie die Ausbeutung aller Tiere, nicht nur von Enten, betroffene Individuen misshandele. Wir sprachen beispielsweise über die mit Milch- und Eierproduktion einhergehenden Missstände:

"Die Kuh wird misshandelt, weil eine Kuh, die Milch gibt, Misshandlung bedeutet. Denn, wie viele Liter Milch gibt eine Kuh natürlicherweise? Sie geben nur Milch, wenn sie sie für ihr Junges brauchen. Aber auch dann geben Kühe nicht immer Milch. Wenn das Kalb aufhört zu trinken, hören sie auf Milch zu geben. Wie viele Liter? Vorher gab sie fünf Liter - jetzt sind es 50. Im wahrsten Sinne des Wortes... Das ist schrecklich. Eine Kuh ist nicht dafür gemacht 50 Liter Milch zu geben, jedes Mal wenn sie ein Kind bekommt. Und das soll keine Ausbeutung sein?"

"Wie viele Eier legen Hennen? Mit den Hühnern ist es das gleiche. Eine Henne legt ein- oder zweimal ein Duzend Eier um sie auszubrüten. Aber wenn du ein Tier so manipulierst, dass es jeden Tag mindestens ein Ei legt, dann misshandelst du es doch, oder?"

Emili fasste seine Meinung zu dem Thema wie folgt zusammen:

"Ich glaube, all das ist politisch und wenn du es zu Ende denkst, ist einfach der beste Weg Tiere nicht auszubeuten, wenn du sie nicht isst. [...] Sie sind uns gleich, so oder so, aber letztlich tötest du, wenn du sie essen willst. Wenn du dir dessen bewusst bist ... Wenn die Tiere nicht wissen, dass sie nur aufwachsen, um getötet zu werden, warum sollten sie dann nervös sein?"

Inwieweit sind die Alternativen der Gesellschaft unbekannt, wenn es darum geht, ohne Tierausbeutung zu leben? Inwieweit ist der Konsum von Tierprodukten von Ignoranz und Fehlinformation verursacht? Wir verließen das Büro ohne ein E9 Ausbeutungs-Bild erhalten zu haben -aber mit dem Wissen, wie wichtig eine Aussage wie die von Cucala Emili für die Tierrechtsbewegung ist. ”

Feb
17

Besuch der Firma Can Ruet, von Josep Jofre

“Am 17 Februar 2011 besuchten wir den Betrieb Can Ruet in Far d’Empordà, Girona. Er beliefert ausschließlich Collverd, das Unternehmen von Jordi Terol, in dem die Enten getötet und anschließend zu Stopfleber verarbeitet werden. Der Hof ist ausserdem großer Bestandteil des Marketings von Terol, der seine Besucher immer dort hin führt und ihn nach aussen als einen Betrieb von Collverd präsentiert.

Der seit 1991 existierende Betrieb produziert derzeit 25.000 Enten im Jahr, bei einer Kapazität von bis zu 40.000 Individuen. Auf dem Gelände gibt es einen Bereich, der sowohl zur Zucht und Aufzucht der Enten dient. Wenige Kilometer entfernt gibt es Anlagen, die ausschließlich für die Zucht entwickelt wurden. Hier stehen außerdem zwei Mastanlagen: eine kleine, die 672 Enten fasst und eine größere für 987 Enten.

Wir erreichten den Betrieb gegen 6.30 Uhr morgens und steuerten eine der Mastanlagen an - die kleinste von allen - in der wir die Mast dokumentieren konnten.

Das Stopfen

Im Unterschied zu anderen landwirtschaftlichen Betrieben werden die Enten in Can Ruet mit einer Art Brei gemästet. Die Mischung besteht zu 47 Prozent aus Maismehl und 43 Prozent aus Wasser. Zusätzlich wird noch eine kleine Menge Maiskörner hinzugefügt. Der Zeitraum der Mästung beträgt 13 Tage, zweimal am Tag wird gefüttert. Die Futtermenge wird von anfangs 400g Brei um bis zu 40 g pro Fütterung erhöht, abhängig von der Gegenwehr der Tiere und davon, ob es sich um eine heiße Jahreszeit handelt oder nicht. Ab dem zehnten Tag werden bereits 800 - 900 g Futtermenge pro Mästung erreicht - eine Menge, die bis zum Ende des Vorgangs beibehalten wird. Während des gesamten Mastprozesses werden den Tieren durchschnittlich 11 kg Mais (Trockengewicht) verabreicht.

Als wir den Hof besuchten, hatten die Enten gerade fünf Tage in den Einzelkäfigen der kleinen Mastanlage verbracht. Wir konnten beobachten, dass die Augen der Tiere jedesmal übermäßig weit geöffnet waren, sobald ihnen das Mastfutter in den Magen gepumpt wurde und dass sie kurz vor dem Einführen des Metallrohres in ihren Hals Anzeichen von Angst zeigten, indem sie versuchten den Kopf abzuwenden oder sich wegzudrehen.

Obwohl die Gesichtsausdrücke von Enten nicht so deutlich zu erkennen sind wie bei Säugetieren, zeigte sich auf ihren Gesichtern deutliche Abneigung und Angst.

Nachdem wir einen Durchlauf der Zwangsernährung in der kleinen Mastanlage beobachtet hatten, besuchten wir die größere der beiden Anlagen. In dieser gelang es uns nicht, den Mastvorgang zu dokumentieren, dafür aber den traurigen Zustand, in dem sich die Enten dort befanden.

Sie waren mit Dreck beschmiert und viele von ihnen hatten vom Maisbrei völlig verklebte Federn. Diese Form der Fütterung erschien mir als noch grausamer als die mit gekochtem Mais, weil der Brei aus dem Schnabel der Enten quoll und ihnen den Hals herunterlief.

In der zweiten Anlage wurden die Enten bereits zehn Tage lang gemästet, deshalb hatten viele von ihnen schon eine entzündete und wahrscheinlich irreversibel geschädigte Leber (schwere Steatose). Es wurde uns gesagt, dass es viele der Vögel nicht schaffen, bis zum Ende der Mästung durchzuhalten und schon vorzeitig zu Tode kommen.

Von den Enten, die in der größeren Anlage untergebracht waren, konnten wir auf den ersten Blick mindestens fünf tote erkennen. Sie hatten das grausame Mästen nicht überstanden. Viele der übrigen Enten hatten offensichtliche Anzeichen von Depression und Schwäche, sowie Atemschwierigkeiten. Dazwischen sahen wir auch einige völlig regungslose Enten mit starrem Blick, die ihre Köpfe gegen die Gitterstäbe lehnten. Es war unglaublich schwer, nicht mit ihnen mitzufühlen und sich nicht vorzustellen, wie sie sich in diesem Moment fühlten.

Zweites Interview mit dem Vorsitzenden der Industrie

Um 12:00 Uhr hatten wir unser zweites Interview mit Jordi Terol. Dieses Mal benutzten wir eine versteckte Kamera, um seine Aussagen festhalten zu können, für den Fall, dass er wieder von seiner Absicht sprach, “Schläger” auf Tierschützer anzusetzen. Als wir versuchten, ihn mit seinen zuvor geäußerten Behauptungen zu konfrontieren, sagte er uns, dass er es nicht ernst gemeint habe und dass er diese Dinge in einem ungünstigen Moment behauptet hatte. Nämlich, als er von dem Vorhaben erfuhr, Stopfleber auf der deutschen Messe für Ernährung zu verbieten. Und dass er in dem Moment deshalb sehr verärgert war.

Es schien uns erst, als sei er an diesem Tag viel ruhiger. Dann jedoch begann er in einem deutlich aggressiveren Ton gegen diejenigen zu wettern, die die Stopfleberindustrie in Frage stellten und sich um die Tiere sorgten. Diese Menschen nannte er “zynisch”. Mit seiner üblichen Arroganz sagte er uns, dass die Gesellschaft sich so weit von der Natur entfernt habe, dass sie nun mit reinem Gewissen die Tiere humanisieren dürfe."

Dann begann Terol mit einer seltsamen Reihe von Folgerungen in Bezug auf die wahren Absichten der geheimgehaltenen Kampagnen, die der Stopfleberindustrie schaden sollten. Er sagte, es bestehe eine verdächtige Beziehung zwischen der Rinderkrise, die durch den Boom des Rinderwahnsinns in Europa entstand und dem Angriff auf seinen Sektor. Er erzählte uns, er habe die Statistiken überprüft und festgestellt, dass der zurückgehende Rindfleischkonsum in Beziehung stand mit dem erhöhten Verzehr von Entenfleisch. Als sich die Situation wieder normalisierte, bevorzugten die Konsument_innen es wie selbstverständlich, weiterhin Entenbrust zu kaufen. Seine Schlussfolgerung: Die Rindfleischproduzent_innen arbeiten mit den Verteidiger_innen der Tiere zusammen, um ihnen ihr Geschäft zu ruinieren. Seine Worte machten uns sprachlos.

Zusätzlich zu diesen Verschwörungstheorien erzählte er uns verschiedene Anekdoten, in denen er im Grunde nur versuchte sich selbst hervorzuheben und die französische Industrie zu kritisieren, die ihm zufolge Stopfleber in ein schlechtes Licht gerückt habe.

In Bezug auf die Zukunftsaussichten seiner Firma Collverd, informierte er uns darüber, dass man bereits mit dem Export begonnen habe. Er erzählte uns, dass das Geschäft mit Stopfleber nur dank des Exports funktioniere. Von der Produktion für den spanischen Markt allein könnten sie nicht leben.”

Feb
28

Besichtigung der Anlage “ÀNECS LA BARROCA"

“Dieser Betrieb befindet sich in der Ortschaft Sant Aniol de Finestres in Girona und produziert seit 10 Jahren. Als wir gegen 06:30 Uhr morgens dort ankamen, war es noch dunkel. Salvador Coll empfing uns freundlich. Er ist der Besitzer der Anlage und hat 10 Jahre Erfahrung in der Produktion von Stopfleber.

Hier werden 180 Enten wöchentlich produziert, dessen Körper und Lebern an andere Firmen geschickt werden: “L’Ànec del Pirineus” und “Mas Parés”. Salvador erklärte mir, dass sie auch auf dem Schwarzmarkt an preisgekrönte Restaurants verkaufen, die mehrere Michelin Sterne haben. Beispielsweise nennt er “El Celler de Can Roca” (das zweitbeste Restaurant der Welt) und “L’Aliança d’Anglès”.

Der Vorgang des Mästens

Wir betreten mit ihnen die Anlage und sofort beginnen die Arbeiter den Mais in Form gekochter Körner auf zwei Wagen, die mit Wort rausgenommen!! Stopftrichtern ausgestattet sind, zu laden. Als sie anfingen zu mästen, war es noch Nacht.

Ich erinnere mich an ein paar Enten die große Schwierigkeiten hatten zu atmen und genau an diesem Tag getötet werden sollten. Wenn sie sich in dieser Lage befinden, sagen einige Arbeiter, “sieht es aus, als würden sie Kaugummi kauen”, da sie den Schnabel fortwährend öffnen und schliessen. Ich habe auch Tiere gesehen, die vollkommen entkräftet waren. Sie hatten aufgegeben. Ganz besonders blieb mir einer von ihnen im Gedächtnis: er hatte seinen Kopf auf der Tränke abgelegt und wirkte vollkommen depressiv.

Neben den Enten der letzten Mästung gab es auch solche, die erst einige Tage dort waren. Ihr Verhalten war ganz anders. Sie wirkten verwirrt und aufgeregt, als das Mästen begann und versuchten verzweifelt aus den Käfigen zu entkommen, wenn sich jemand näherte. Sie waren noch sehr klein und nervös. Es war schockierend diesen Verhaltensunterschied der Tiere zu beobachten.

Tötung der Enten

Nach einer Stunde Zwangsernährung ging es weiter mit der Tötung der Tiere, die an diesem Tag die Mastvorgabe erreicht hatten.

Alle Enten befanden sich in derselben Halle, alle in kleinen Einzelkäfigen eingesperrt. Außerhalb gab es einen kleinen Flur, dessen Tür zu dem Raum führte, wo die Enten getötet werden.

In dieser Anlage habe ich den Vorgang der Tötung ganz anders wahrgenommen. Obwohl es im Schlachtraum die gleichen Apparate gab, die gleichen metallenen Geräte mit denen die Tiere geköpft werden, die gleichen Maschinen zum Verbrühen und Rupfen der Tiere. Es war das Herüberschaffen der Tiere in diesen Raum, der einen so starken Eindruck hinterlassen hat. Sie trugen die Tiere einzeln und während sie sie an den Flügeln festhielten, waren die Köpfe und Blicke der Tiere auf die Halle und die anderen Enten gerichtet. Sie machten diesen Weg immer und immer wieder, jedes mal der gleiche Anblick. Ich konnte so den Enten direkt ins Gesicht sehen, während sie in den Raum, wo ihr Leben beendet werden würde, getragen wurden. Ich erinnere mich an ihre Blicke, erinnere mich an die Ausdrücke in ihren Gesichtern, in diesem merkwürdigen Augenblick, als sie Richtung Tod getragen wurden. Obwohl sie vollkommen bewegungslos waren, zeigten mir ihre Blicke den Stress und die Angst, die sie fühlten.

Genau wie in anderen Anlagen, gab es Enten, die bei vollem Bewusstsein das Aufschlitzen ihrer Kehle erlebten. Sie zappelten und zuckten unentwegt, während sie ausbluteten. Obwohl es der letzte Augenblick ihres Lebens war, kämpften sie mit all ihrer Kraft um ihr Überleben.

Wir dokumentierten die Tötung von allen Tieren, sahen zu, wie sie starben, einer nach dem anderen, bis es vorbei war. Wir verließen die Anlage um 10 Uhr morgens.

Dies war die letzte Anlage in Katalonien, in der wir die Mästung dokumentieren würden. Nach monatelanger Recherche sahen wir, dass wir diese Etappe abschließen konnten. All das Leid, das wir gesehen haben, würde nicht verschwiegen werden.”

Mar
12

Letzte Besichtigung: Anlage “CAN RUET” und Schlachthof “COLLVERD”

“Wir kehrten zurück zum Betrieb von Josep Jofre, der Anlage Can Ruet, dem Lieferanten von Collverd. Wir hatten mit Jofre verabredet, dass wir wiederkommen würden, um den Transport der Enten zum Schlachthof Collverd zu dokumentieren. Und so machten wir es.

Wir kamen wie ausgemacht um 07:45 morgens bei der Anlage an. Der Lastwagen und Jofre waren schon unterwegs zum Schlachthof, um die erste Ladung Enten abzuliefern. Hier war ein Arbeiter, der Enten in Kisten lud, immer drei in eine. Da der Lastwagen noch Zeit brauchen würde, um für die anderen Enten zurückzukommen, entschieden wir uns, die Halle zu betreten und diesen Moment zu dokumentieren.

Transport zum Schlachter

Es bot sich uns ein merkwürdiger erster Eindruck: So ziemlich alle Käfige waren leer. Doch die Tiere waren wieder eingesperrt, dieses Mal in Kisten. Diese waren aus hartem Plastik und so aufeinander gestapelt, so dass sie Säulen aus je 7 Stück bildeten. In ihnen keuchten die Enten und bewegten sich nur schwer. Die Exkremente aus den oberen Kisten fielen fortwährend auf die Enten in den unteren Boxen. Sie konnten kaum ihren Hals aufrichten und es war offensichtlich, dass diese Enge großes Unwohlsein hervorrief. Ich konnte ihre gewölbten Bäuche sehen und in einer der Kisten sah ich Blut. Das ließ mich vermuten, dass einige von ihnen innere Blutungen haben müssten.

Wir näherten uns den Enten, die noch nicht in die Kisten gesteckt worden waren. Sie hatten 13 Tage Mästung überstanden und nun, an ihrem 14. Tag, waren sie kurz davor aus den Käfigen zu kommen, um getötet zu werden. Bezeichnend für alle von ihnen war ihre Entkräftung und Niedergeschlagenheit. Sie hatten große Probleme zu atmen und man hatte das Gefühl, dass sie ihr eigenes Gewicht nur schwer halten konnten. Einer machte einen besonders entmutigten Eindruck: er hatte den Hals ausgestreckt und stützte seinen Schnabel auf den Rand der Tränke, während er darum kämpfte weiterzuatmen. Sein Zustand war sehr kritisch.

Nach ein paar Minuten kam Jofre mit dem Lastwagen und den restlichen fehlenden Kisten. Die letzten Enten, die noch in den Käfigen waren, wurden jeweils zu dritt in eine Box gestopft. Da der Arbeiter die oberste Kiste des Stapels nicht erreichen konnte, warf er die Enten in die Box. Als sich alle Enten in den Transportkisten befanden, wurden diese verladen und der Lastwagen fuhr los zum Schlachter.

Tötung der Enten

Wir folgten dem Lastwagen bis zum Schlachthof. Als wir ankamen, machten die Arbeiter gerade Pause. Nach einiger Zeit begannen sie die Kisten vom Lastwagen abzuladen und sie für die Schlachtung in Position aufzureihen.

Anschließend nahmen sie die Enten aus den Kisten und brachten sie dorthin, wo sie getötet werden sollten. Ich sah, wie die Tiere, die noch in den Kisten waren, unentwegt versuchten, sich in die hinterste Ecke der Kisten zu drängen und sich zu verstecken. Doch es war hoffnungslos: im nächsten Moment packte sie ein Arbeiter am Hals oder an den Flügeln und hängte sie an den Beinen an die metallenen Aufhänger. Dies war der Moment in dem sie am nervösesten wirkten; sie bewegten sich panisch und schwenkten vor und zurück bei dem Versuch ihre Beine freizubekommen. Doch das Gewicht ihres eigenen Körpers hinderte sie daran. Ich dachte, wie traurig es doch ist, dass sie erst ihre Flügel wieder öffnen können, wenn sie in dieser dramatischen Situation sind.

Automatisch werden die Enten in Richtung der elektrischen Wassersprüher gefahren, die sie vor ihrer Enthauptung betäuben sollen. Während der gesamten Strecke, die die Aufhänger zurücklegten, konnten wir das metallene Klirren hören, das durch den Widerstand der Enten verursacht wurde.

Ein paar der Tiere waren noch bei Bewusstsein, als man ihnen die Kehle durchschnitt. Wir haben sogar dokumentiert, wie eine der Enten lebendig und mit den Flügeln schlagend zu der Maschine gelangte, wo sie verbrüht wurde.

Wenn sie einmal tot sind, beginnt der Prozess des Rupfens und der Säuberung der Enten auf eine sehr industrielle Art und Weise.

Jofre legte die Lebern auf eine Waage und erklärte uns, dass sie je nach Gewicht einen anderen Marktwert haben. Er erzählte, dass diese “im Durchschnitt lagen”. Obwohl es nicht das erste Mal war, dass ich solche Lebern sah, überraschte mich ihre Größe aufs Neue. Es ist schwer zu glauben, dass so kleine Tiere, die höchstens 7 1/2 Kilo wiegen, in ihrem Inneren so unglaublich große Organe beherbergen können.

Mit dieser Besichtigung ließen wir die Firma Collverd hinter uns und erklärten den Teil unserer Recherche, der sich auf Anlagen der Foie Gras Produktion in Katalonien beschränkte, für abgeschlossen.”